100 Jahre alter Pferdeschlitten zu neuem Leben erweckt

Gelungene Restaurierung mit viel Liebe für alte Traditionen

Aus einer spontanen Eingebung, entstand, in liebevoller Kleinarbeit, ein handwerkliches Kleinod. Eugen Operchalski war mit seinen Kameraden von „Aktiv und Fit“ auf Wanderschaft im Gewann Attenried, unweit des Friedhofs Heiligenäcker. Auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Anwesens, entdeckte der handwerklich begabte Jungrentner einen, offensichtlich längst vergessenen und seinem Schicksal überlassenen, Pferdeschlitten. Nach zuletzt 25 Jahren körperlicher Arbeit in der Gießerei der Heidelberger Druckmaschinen suchte Eugen, neben der Gartenarbeit und seinen sportlichen Hobbys, einen Ausgleich für ruhigere Stunden. Der Besitzer des Grundstücks, Altstadtrat und Rad-Wirt, Eugen Kübler sen., wurde kontaktiert. Vater und Sohn Kübler konnten sich für Eugen‘s Idee begeistern. Sie überließen ihm gerne den Pferdeschlitten zur Restaurierung. Eugen Kübler jun. befreite mit einem Radlader, das von den Jahren in Wind und Wetter gezeichnete Gefährt, aus seinem mit Unkraut und Brennnesseln überwachsenen Versteck. Erst jetzt wurde deutlich, daß der überwiegende Teil der aus Holz bestehenden Elemente nicht mehr zu retten war. Die Metallteile hatten unter der Korrosion gelitten. Eugen Operchalski ließ sich nicht entmutigen. Verladen auf einen Anhänger, wurde der Schlitten in seinen Garten verbracht und in die Einzelteile zerlegt. Die hölzernen Bestandteile mussten komplett erneuert werden. Das metallische Grundgestell wurde gesäubert und entrostet. Bei einem Kuchener Schreiner erhielt der Hobbyrestaurator den Tipp, sich an einen jungen Amstetter zu wenden, dessen Talente in nicht alltäglichen Holzbearbeitungen liegen. Der junge Mann erkannte die Herausforderung sofort. Für die Kufen verwendete er Eschenholz, das in mehreren Schichten geleimt wurde und in einem Dampfofen, feucht erhitzt, in die richte Form gebogen wurde. Der Projektleiter entwickelte ständig neue Ideen. Zur Restaurierung der Seitenstützen und der Rückenlehne wurde ein alter Schaukelstuhl zerlegt und umgearbeitet. Für den Wind- und Schmutzfang an der Vorderfront wurden Sperrholzplatten angefeuchtet, gebogen und mit Spanngurten fixiert, um in ausgetrocknetem Zustand, die gewünschte Form zu erreichen. Die Deichsel und Geschirrstange konnten als einzige hölzerne Elemente im Original erhalten bleiben. Die Polsterung der Sitzbank übernahm unser ehemaliger Fußballkamerad Karl-Heinz Botzenhardt in seinem Geislinger Raumausstattungsbetrieb. Die Endmontage erfolgte in der Garage des Hobbyheimwerkers. Letzter Arbeitsgang war ein neuer Anstrich, bei dem, mit der Einbringung von Verzierungselementen, ebenfalls viel Liebe aufs Detail verwandt wurde.

Es entstand ein wahres Prunkstück. Der Plan, das Meisterwerk, unterstützt von den Sportkameraden von „Aktiv und Fit“, auf den Weihnachtsmärkten der Region für soziale Zwecke einzusetzen, wurde durch die Pandemielage leider zunichte gemacht. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Eine mögliche Umsetzung der Pläne im nächsten Winter ist noch offen. Eugen würde seine Garage gerne wieder ihrem eigentlichen Nutzen zuführen. Es fehlen eine Unterstellmöglichkeit für das Prachtstück und ein Konzept für eine dauerhafte, sinnvolle Verwendung. Eugen Operchalski wollte sein Meisterwerk den früheren Besitzern am historischen Ursprung, der Traditionsgaststätte Rad, präsentieren. Die 3 (Eugen-)Namensvettern sollten in dem Schlitten Platz nehmen. Leider mußte man sich vorerst auf den Austausch von Fotos beschränken. Die Galerie der Vorfahren, denen der Schlitten im Winter als Fortbewegungsmittel diente, reicht bis zu Eugen Kübler’s Urgroßvater zurück. Eugen Kübler sen. unternahm, als kleiner Bub, Ausfahrten an der Seite seines Großvaters. Nach über 100 Jahren im Familienbesitz feiert der Schlitten jetzt seine Renaissance.

180 Stunden Arbeit, verteilt auf ca. 18 Monate, ganz viel Herzblut und finanzielle Investitionen, über die der Macher schweigt, stecken in dem gelungenen Projekt. Sport durfte Eugen mit seinen Kameraden während der Corona-Beschränkungen nicht treiben, aber er bewies, daß man auch in schwierigen Zeiten, nicht auf der faulen Haut liegen muß. Ein Musterbeispiel für sinnvolle Freizeitbeschäftigung und ein Beitrag zur Bewahrung von Traditionen.

 

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